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Frieden für die Stadttauben: betreute Taubenschläge für die Zukunft?
Täglich sehen wir das Leid der Würzburger Stadttauben. Da uns dieses Thema
besonders am Herzen liegt und wir dagegen angehen möchten, versuchen wir,
das "Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Stadttaubenpopulation"
der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben durchzusetzen.
Die Tiere sind auch in unserer Stadt ein Problem. Es gibt verletzte Tiere,
viele haben nur noch einen "Stummel" statt eines Fußes. An den Gebäuden sind
Spikes und andere Vergrämungsmaßnahmen angebracht. Zwar gibt es vier
Taubenhäuser, doch diese sind unnütz, da die Eier viel zu unregelmäßig
entnommen werden. Die Standorte sind schlecht gewählt und nicht ausreichend
für die hohe Anzahl der Tiere. Momentan ist das Füttern der Tauben durch die
Bevölkerung wie in vielen anderen deutschen Städten verboten. Den
Mitgliedern unseres Vereins ist es jedoch dank einer Ausnahmegenehmigung von
der Stadt möglich, die Tiere an bestimmten Futterplätzen mit artgerechtem
Körnerfutter zu versorgen.
Im September vergangenen Jahres haben wir sämtlichen Stadträten das Konzept
"Stadttauben" zukommen lassen, das bereits u. a. in Augsburg große Erfolge
erzielte. Aufgrund dessen fand schließlich ein runder Tisch statt, an dem
sowohl fachkundige Mitglieder unserer Vereins als auch Vertreter der Stadt
Würzburg teilnahmen.
Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Irrmeinung sind Stadttauben keine
Wildtiere, sondern verwilderte Brief-, Haus- und Zuchttauben sowie deren
Nachkommen (Tierärztliche Hochschule Hannover, 1995/1996). Aus diesem Grund
brüten Stadttauben im Gegensatz zu Wildtauben das ganze Jahr über,
unabhängig vom Nahrungsangebot. Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben
ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch so genannte
Nutztiere oder Liebhabertiere. Mögliche im Taubenkot enthaltene
Krankheitserreger sind in der Regel nicht auf den Menschen übertragbar
(Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
Berlin, 1995/1997). Darüber hinaus stellen Vergrämungsmaßnahmen nur eine
höchst kostenintensive Verlagerung des Problems dar. Alte oder nicht
fachgerecht angebrachte Netze bergen eine große Verletzungsgefahr für Tauben
und andere Vögel. Auch Tötungsmaßnahmen können eine Bestandsregulierung
allenfalls kurzfristig bewirken. Ein Fütterungsverbot ohne begleitende
Maßnahmen wie Futterplätze und/oder Taubenschläge führt ebenso wenig zu
einer Reduzierung der Tauben, sondern nur zum Aushungern der Tiere, die
dadurch krankheitsanfälliger sind.
Unsere Ziele sind in zwei Schritte aufgeteilt:
- Die Errichtung von kontrollierten Futterplätzen, durch welche die
Tiere aus den "Brennpunkten" herausgezogen, durch qualifizierte Personen
kontrolliert und mit artgerechtem Futter versorgt werden.
Dieses Ziel haben wir, wie oben erwähnt, bereits erreicht: seit Anfang des
Jahres sind betreute Futterplätze eingerichtet! Über diesen ersten
Teilerfolg haben wir uns sehr gefreut!
Im Bereich der kontrollierten Futterplätze werden von der Stadt
Würzburg begehbare Taubenschläge in Dachstühlen errichtet. In diesen werden
die Tiere, nachdem sie in die Schläge eingezogen sind, von Taubenwarten
betreut, ebenfalls mit artgerechtem Futter und Wasser versorgt und die
Gelege zum Teil gegen Gipseier ausgetauscht. Hierdurch findet eine ebenso
tierschutzgerechte, kostengünstige und vor allem dauerhafte Regulierung des
Stadttaubenbestandes statt.
Dies dürfte auch im Sinne der Stadt sein, da durch kontrollierte
Futterplätze in Verbindung mit Taubenschlägen insbesondere eine
Gebäudeverschmutzung durch den Taubenkot auf ein Minimum beschränkt werden
würde, da die Tiere sich fast ganztägig im Taubenschlag aufhalten würden und
nicht mehr darauf angewiesen wären, auf der Straße und von den Fassaden aus
hungrig nach Abfällen zu suchen. Damit tritt eine erhebliche
Kostenentlastung der Gebäudeeigentümer und Geschäftsleute durch reduzierte
bis ganz wegfallende Reinigungskosten ein.
Wer das Taubenprojekt unterstützen möchte, kann uns durch Spenden helfen,
die Futterkosten zu decken oder natürlich durch ehrenamtliche Mitarbeit,
z.B. durch Füttern. Falls Sie Interesse haben, setzen Sie sich bitte mit uns
in Kontakt! |